Strahlen helfen im Kampf gegen Tumore

Seit 15 Jahren wird am Erfurter Helios-Klinikum Radiochirurgie praktiziert - Interdisziplinäres Symposium am heutigen Freitag

Von Birgit Kummer

Erfurt. Mit höchster Präzision treffen die Strahlen auf den Tumor. Sie kommen nicht nur von vorn, sie kommen aus hunderten Richtungen, abgefeuert von einem Linearbeschleuniger an einem Roboterarm.

Während der weiße Riese seine Arbeit tut und dabei 1500 verschiedene Winkel einnehmen kann, liegt der Patient auf einer Liege. Es geht um zehntel Millimeter. Die Technik denkt mit, die Strahlen ändern Stärke und Richtung und haben ihr Ziel, das wuchernde Gewebe, dabei in jedem Moment im Visier. Gesunde Zellen rings um den Tumor werden geschont. Dafür sorgen die Medizin-Physiker, die vor jeder Behandlung mit komplizierten Algorithmen ausrechnen, wie sie die hochenergetischen Strahlen lenken. Und Computerprogramme, die sie dabei unterstützen.

Radiochirurgie heißt das vergleichsweise junge medizinische Feld, für das in den 1950er Jahren in Stockholm der Boden bereitet wurde und das sich seither rasant entwickelt hat.

Statt bei der Tumorbekämpfung eine Strahlendosis über mehrere Wochen aufzuteilen wie bei konventionellen Behandlungen, wird nur ein- bis fünfmal bestrahlt. In höchster Präzision. Die Behandlung ist ambulant und dauert 30 bis 90 Minuten.

Das "Cyberknife" ist für die Behandlung bestimmter gut- und bösartiger Tumore geeignet, ebenso für die Behandlung von Gefäß-Fehlbildungen. Das Gerät kommt zum Einsatz, wenn Operationen ein zu hohes Risiko darstellen würden, wenn Tumore nicht auf konventionelle Bestrahlung reagieren, wenn bestimmte Metastasen ausgeschaltet werden müssen. Wenn eine wochenlange Strahlentherapie zu strapaziös für geschwächte Patienten wäre. Und in weiteren Fällen wie etwa gutartigen Tumoren am Hörnerv. "Als ich mich erstmals damit beschäftigte, stand das nächstgelegene Gerät in Wien", erinnert sich Privatdozent Dr. Klaus Hamm, Chirurg und Neurochirurg, an das Jahr 1992. "Wir konnten damals die Kasse von der Behandlung überzeugen, ich fuhr mit meinem Erfurter Patienten nach Österreich."

Klaus Hamm, heute Chefarzt des Zentrums, hat sich intensiv mit der Radiochirurgie beschäftigt. Vor 15 Jahren wurde die millionenteure, tonnenschwere Technik im Erfurter Helios-Klinikum angeschafft. Sie ist im Keller installiert, unterliegt besonderen Anforderungen des Strahlenschutzes. Seither wurden tausende Patienten behandelt. "Wir können keine Wunder tun", sagt Strahlentherapeut Dr, Hans-Ulrich Herold. "Aber wir können in vielen Fällen helfen, Zeit gewinnen und die Lebensqualität der Patienten verbessern."

Führend in der Entwicklung der Cyberknifes war und ist die USA. Die Therapien wurden für die Patienten zusehends komfortabler. "Früher wurde der Kopf mit einem Ring und Rahmen fest fixiert, eine durchaus schmerzhafte Angelegenheit", sagt Klaus Hamm. Heute ist die Behandlung rahmenlos möglich. Wer für radiochirurgische Behandlungen in Betracht kommt, entscheiden die Mediziner gemeinsam mit dem Patienten und der Tumorkonferenz, in der Spezialisten aller Fachrichtungen zusammenwirken und die Fälle besprechen.

Betrieben wird das Cyberknife-Zentrum Mitteldeutschland von Andreas Mosmann. "Als das erste Gerät nach zwölf Jahren verschlissen war und ausgetauscht werden musste, entschied sich das Klinikum für das Outsourcen", sagt der private Investor. Andreas Mosmann hat berufliche Erfahrungen in verschiedenen Technik-Feldern und ist fasziniert von dem, was die Radiochirurgie kann. Zehn Cyberknifes gibt es derzeit in der Bundesrepublik, sagt er, überzeugt davon, dass sich diese Technik weiter durchsetzt. "In anderen EU-Ländern gehören diese Behandlungen zum gesetzlichen Katalog."